Auf der Bühne wie im richtigen Leben bestimmen Hass bei gleichzeitiger erotischer Anziehungskraft das Verhältnis zwischen Streberin Alexa (Emmy Rossum) und Bad Boy Johnny (Zach Gilford). Eine Unterweisung der örtlichen Schauspielgröße (Alan Cumming), für die Rolle der Blanche aus Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ gefühlsmäßig bis an den Abgrund und darüber hinaus gehen zu müssen, öffnet Alexa die Augen und lässt Selbstzweifel an sich und ihrem langweiligen Leben aufkommen. Kurzum verwandelt sie sich in einen aufreizenden Vamp und verführt ihren Bühnenpartner. In Alexas bestem Freund, dem schüchternen Ben (Ashley Springer) keimt Neid auf. Auch er fühlt sich von Johnny angezogen und verführt ihn kurz darauf zu einem ersten homoerotischen Abenteuer. Während Alexa und Ben sich also vollkommen der Entdeckung ihrer Sexualität hingeben und sich auf ihre Jagdbeute Johnny stürzen, fühlt der sich zunehmend als Lustobjekt degradiert. Was ihm fehlt, ist freundschaftliche Nähe und Vertrautheit. Er steht zwischen den beiden – und doch außerhalb…

Fotos: © 6sales

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Mit DARE gibt Adam Salky sein Spielfilmdebüt. Den Stoff hatte er bereits 2005 als 16-minütigen Kurzfilm unter anderer Besetzung realisiert. Mit Emmy Rossum hat Salky sich einen Hochkaräter eingekauft, denn 2004 (da war sie gerade mal 18) spielte sie in PHANTOM OF THE OPERA (was ihr eine Nominierung für den Golden Globe einbrachte) und THE DAY AFTER TOMORROW mit. Seitdem ist es allerdings etwas still um sie geworden. Die erfüllende und gleichzeitig zerstörerische Dreieckkonstellation mit ihr, Zach Gilford und Ashley Springer erinnert in ihrer Hemmungslosigkeit ein bisschen an DIE TRÄUMER (2003) von Bernardo Bertolucci, denn in ihrer Vertrautheit untereinander könnten Alexa und Ben fast Geschwister sein.

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Während aber der Plot von DARE kontinuierlich weiterläuft, verändert sich jeweils die Blickperspektive, aus der heraus die Story erzählt wird. Im Verlauf jeder einzelnen dieser drei Erzähleinheiten erlebt jeder der Protagonisten – Alexa, Ben und Johnny – eine Bewusstseinsveränderung. Durch Kamera und Mise en scène ist diese auf jeweils unterschiedliche Art umgesetzt. Die ruhige Kameraführung mit längeren Einstellungen wechselt in eine dramatische, als Alexa in der Auseinandersetzung mit dem Schauspieler Grant Matson ihre unzureichende Schauspielpraxis und ihr (noch) geringes Ausdrucksspektrum erkennen muss. Auch Bens Gefühlswelt überschlägt sich, als er seine Homosexualität endlich ausleben kann. Grünlich eingefärbt ist die Szene mit Johnny am Pool, als die beiden Jungs sich körperlich näher kommen. Johnnys Sicht auf seine Umwelt hingegen ist von Leere und Einsamkeit geprägt, wenn er sich in dem Haus seiner wohlhabenden Eltern bewegt; auf der Privatparty mit Alexa, Ben und Courtney verkehrt sie sich ins Groteske und Bedrohliche. Das macht Johnnys Kapitel unerwartet zu dem ernsthaftesten. Die Wandlung Johnnys zum feinfühligen Neurotiker wirkt jedoch aufgesetzt und erweckt den Anschein, als schufen Salky und sein Drehbuchautor David Brind gegen Ende künstliche Dramatik, nur, um sich durch das Problembewusstsein von anderen amerikanischen Highschool-Filmen abzugrenzen und einen tiefgründigeren Gesamteindruck zu hinterlassen. Dabei ist der Film gerade über jene Strecken stark, wo die Jugendlichen mit Problemen kämpfen, über die Erwachsene wiederum lachen können.

° Originaltitel: Dare

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2009

° Regisseur: Adam Salky

° Darsteller: Emmy Rossum, Zach Gilford, Ashley Springer, Alan Cumming

° Drehbuch: David Brind

° Produktion: Jason Orans, Mary Jane Skalski

° Kamera: Michael Fimognari

° Musik: David Poe, Duncan Sheik

° Schnitt: John F. Lyons

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