Ein Tisch für DREI hatte Tom Tykwer schon bestellt, abgesahnt hat allerdings jemand anders. Auf den Filmfestspielen von Venedig wurde die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola mit dem Goldenen Löwen für SOMEWHERE ausgezeichnet.

Aufsehen erregt hatte DREI nicht nur wegen seiner schwulen Sexszenen, sondern auch deshalb, weil Tykwer nach zehn Jahren nun wieder einen deutschsprachigen Film geschrieben und gedreht hat, der sich gar nicht typisch deutsch darstellt. Die Dreieckskonstellation zwischen Hanna (Sophie Rois), Simon (Sebastian Schipper) und Adam (Devid Striesow) erinnert eher an den Nouvelle-Vague-Klassiker JULES UND JIM des französischen Regisseurs François Truffaut oder Ernst Lubitschs SERENADE ZU DRITT.

In DREI allerdings steht nicht eine Frau zwischen zwei Männern, sondern ein Mann zwischen einem Pärchen, denn beide – Hanna und Simon – sind in denselben Mann verliebt. Und das, obwohl sich Simon bislang für heterosexuell gehalten hat. Wie spaßig die Annäherung zwischen zwei vermeintlich heterosexuellen Männern sein kann und wie anachronistisch doch die Kategorisierung in homo- und heterosexuell ist, wurde uns erst kürzlich in PLAN B von Marco Berger vorgeführt. Hier allerdings sind die Protagonisten schon ein paar Jährchen älter und stecken tief in der Midlife Crisis.

Tykwer selbst (einst Student bei Rosa von Praunheim) hält das normative Modell monogamer Zweierbeziehungen auf Lebenszeit für obsolet. Diese liberale Einstellung wollte er mit seiner verspielten Version einer Ménage à trois transportieren (wie er auch in einem Interview sagte). Der Film läuft am 23. Dezember in deutschen Kinos an.

Cover: © X Verleih

Print

Related posts:

  1. Tipp: HE’S MY GIRL (Jewish Film Festival 2010)
  2. DVD-Verlosung: ICE BLUES
  3. Der Oscar ging nicht queer
  4. I LOVE YOU PHILLIP MORRIS

Einen Kommentar hinterlassen