SEX AND THE CITY 2

Bereits beim Titel hat sich Regisseur Michael Patrick King ziemlich übernommen, denn wo Sex drauf steht, ist noch lange keiner drin. Eigentlich müsste der zweite Teil des Sequels „Ex and the City 2“ heißen. Nicht nur, weil Carrie (Sarah Jessica Parker) mitten in der Wüste eine Zufallsbegegnung mit ihrem ehemaligen Lover Aidan (John Corbett) feiert, sondern weil die dreistündige Tour de Farce äh Force auch mit einer Erinnerung an die traurig verflossene Vergangenheit beginnt. Es waren einmal vier emanzipierte New Yorker Singlefrauen stets auf der Jagd nach heißen Typen, fetzigen Klamotten und den abgefahrensten Partys. Wo sind sie geblieben? Wie ihre Achtzigerjahre-Verschnitte in Carries Erinnerung an alte Zeiten sind sie kaum wiederzuerkennen, denn jetzt haben sie ganz andere Probleme: Hitzewallungen, Ehetrott, Kindergeschrei, vollbusige Nannys ohne BH, Mobbing und schließlich: Bruch des Ehegelübdes wegen einem Kuss mit dem Ex.

Foto: © 2010 Warner Bros. Ent.

Nach altbewährtem Konzept steht gleich zu Beginn wieder eine bombastische Hochzeitszeremonie an. Dieses Mal müssen die beiden besten schwulen Freunde von Carrie und Charlotte, Stanford (Willie Garson) und Anthony (Mario Cantone), dran glauben und ihr Ja-Wort geben. Nach dem pompösen, aber doch recht sterilen, da lieblosen Rausch in Weiß (diesmal ganz ohne Eklat, dafür aber mit einem Special Guest Auftritt von Liza Minnelli) sinkt die Erzählkurve wie schon im ersten Teil ganz tief in den Keller, wenn wir einen Einblick in das triste Eheleben von Carrie erhalten: Ex-Wüstling Big (Chris Noth) mutiert in dem stilvoll ausgestattetem Luxus-Appartement zur Couch-Potato, während Carrie das Klischee des nörgelnden, nach Aufmerksamkeit heischenden und stets unzufriedenen Frauchen ausfüllt.

Foto: © 2010 Warner Bros. Ent.

Während man mit Big in die Röhre des neuen Flatscreen Fernsehers guckt, fragt man sich natürlich: Ist es nicht genau das Gegenteil von dem gewesen, was viele Zuschauerinnen und Zuschauer sechs Staffeln lang veranlasste, Woche für Woche einzuschalten, als SEX AND THE CITY noch als Serie im Fernsehen lief? Der Fakt nämlich, dass vier Mittdreißigerinnen sich stringent dagegen wehrten, das spießige Leben einer Durchschnittsamerikanerin zu führen? Tja, wahrscheinlich hat das Budget für die Entwicklung einer guten Story wegen der aufwändigen Ausstattung einfach nicht mehr gereicht. Statt der teilweise doch recht amüsanten Faux Pas, in die das Quartett in seinem New Yorker Alltagsleben zu TV-Serienzeiten hineinschlitterte, zelebriert das Kino-Sequel auch in seinem zweiten Teil den Ausnahmezustand – und das bis zum Exzess. Wie Samantha (Kim Cattrall) sich in ihrer Menopausen-Hysterie mit Hormonen und Vitaminpillen vollstopft, so werden wir mit visuellen Reizen bombardiert: in einer von einem Scheich gesponserten Reise nach Abu Dhabi werden alle Geschütze aufgefahren: vier Luxuslimos, für jede einen eigenen Butler, eine ganze Rugby-Mannschaft muskelgestählter australischer Jungs, einen Kamelritt in Dior-Klamotten, muslimische Frauen, die unter ihrem Niqab die neuesten Designer-Kollektionen tragen und und und.

Foto: © 2010 Warner Bros. Ent.

Die filmische Inszenierung mutiert angesichts des Sponsoren-Einflusses immer mehr zum Präsentator-Werbespot in Spielfilmlänge. Schöne Hüte bekommen wir geboten, wenn auch die Köpfe darunter absolut leer sind. Angesichts der Tatsache, dass die Story um die vier Ladies dramaturgisch derartig in die Sackgasse gefahren wurde, kommt bei der Vorstellung an einen dritten Teil nicht gerade Freude auf. Immerhin gab es aber stets viel Spielraum für andere Lebensweisen und Gesinnungen. Nichtsdestotrotz könnte man fast Mitleid mit den Schauspielerinnen hinter ihren verzerrten Rollen(bildern) haben, sind sie doch im richtigen Leben gleichsam weniger angepasst und gefallsüchtig. Cynthia Nixon kam zur Filmpremiere mit ihrer Verlobten und Kim Cattrall ist mit ihren 53 Jahren froh, wieder Single zu sein.

° Originaltitel: Sex and the City 2

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2010

° Regie: Michael Patrick King

° Darsteller: Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Cynthia Nixon, Kristin Davis

° Drehbuch: Michael Patrick King, Candace Bushnell, Darren Star

° Produktion: Michael Patrick King, John P. Melfi, Sarah Jessica Parker, Darren Star

° Kamera: John Thomas

° Schnitt: Michael Berenbaum

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