Aus den Augenwinkeln beobachtet Bruno (Manuel Vignau), wie sich Laura in die Arme ihrer neuen Flamme fallen lässt. Gerade verlassen, kann er sich an dem neuen Glück seiner Exfreundin (Mercedes Quinteros) natürlich nicht erfreuen. Ins Bett geht sie zwar immer noch gern mit ihm, aber zu ihm zurückkommen will sie nicht.

Foto: © PRO-FUN MEDIA

Also spinnt Bruno eine perfide Intrige nach dem Prinzip ‘deinen ärgsten Feind sollst du dir zum Freund machen’. Will er den Rivalen ausstechen, dann muss er zunächst sein Vertrauen gewinnen. Da Lauras neuer Partner Pablo (Lucas Ferraro) in der Vergangenheit mal etwas mit einem Mann hatte, wie Bruno von einer Bekannten erfährt, ist er sich seines Erfolgs sicher. Als die Freundschaft zu Pablo zunehmend enger wird, scheinen Brunos Gefühle ihm einen Strich durch seinen ausgeklügelten Plan zu machen.

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Die Bekanntschaft der beiden jungen Männer beginnt mit einem argwöhnischen Blickkontakt im Schuss-Gegenschuss-Verfahren während des Trainings, aber schon die nächste Einstellung bringt sie gemeinsam ins Bild. Sie lieben dieselbe Frau, schauen beide die Serie „Blind“, trainieren gemeinsam, schlafen beieinander – Bruno und Pablo wachsen allmählich symbioseartig zusammen, führen sogar manche Bewegungen synchron aus. Am Strand überlegen sie, welches Spielzeug sie wären und nachts möchte der eine den anderen reflexartig im Schlaf umarmen. Das einzige, was sie daran hindert, diesem Reflex des Unterbewusstseins nachzugeben, ist, dass sie sich beide für heterosexuell halten. Der miteinander geteilte Raum scheint wie hermetisch abgeschirmt von der Außenwelt. Er lässt ihnen den nötigen Platz, um sich ganz behutsam einander anzunähern.

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Sind Brunos Gefühle gespielt oder tatsächlich echt? Als verfolge man eine Liebeskomödie des Rokoko-Theaters, wartet man gespannt auf den Moment, in dem Bruno seine Maske fallen lässt und sein wahres Gesicht zeigt. Was dagegen spricht: Lug, Trug und Ränke wollen nicht so recht zu Brunos unkomplizierter Persönlichkeit und seiner lässigen Körperinszenierung passen. Marco Berger widersetzt sich, jeglichen für Gay-Filme typischen Körperkult mitzumachen und lässt seine beiden Hauptdarsteller schlampig und zugewachsen vor der Kamera agieren. Trotz langer ruhiger Einstellungen, dem harmonischen Einklang zwischen den beiden Freunden (?), vereinzelt tonlos gedrehter Szenen und Hochhausfassaden aus allen erdenklichen Perspektiven traut das in die Intrige eingeweihte Publikum dem behäbig inszenierten Frieden nicht. Bei aller Harmonie und Einvernehmlichkeit knistert, brodelt und kocht es unter der Oberfläche.

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Die Verbundenheit des argentinischen Autor-Regisseurs Marco Berger zu anderen Künsten ist seinem Spielfilmdebüt anzumerken, sein Blick durch die Linse gleicht dem eines Fotografen und sein raffiniertes Drehbuch könnte man ohne Weiteres fürs Theater adaptieren. Mit seinem Verzicht auf jegliche Manieriertheit, Kalauer oder Possen distanziert sich Berger von dem Genre Liebeskomödie im klassischen Sinne, vielmehr oszilliert Plan B zwischen Coming-Out-Melodram und Buddy-Komödie. Die rein über die Körpersprache gemächlich laufende Annäherung der beiden Hauptakteure stellt er in Kontrast zu ihrem banalen Alltagsgeplänkel und legt damit den inneren Zwiespalt von zwei Männern offen, die ihre gesellschaftliche Rolle weiterhin spielen, obgleich sie sich ihrer Gefühle innerlich längst bewusst sind. Impulsive Gefühlsausbrüche und lautstarke Auseinandersetzungen sind nicht zu erwarten, aber Bruno und Pablo bei ihrer gemeinsam angetretenen Selbstfindung zuzusehen, geht weit über vergnüglichen Voyeurismus hinaus.

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PLAN B läuft am 6. Mai in deutschen Kinos an. Wer bis dahin nicht warten will, kann ihn schon am Samstag (24. April) auf dem Verzaubert Queer Film Weekend sehen. In Berlin um 20.30 Uhr in der Kulturbrauerei, in Köln ebenfalls um 20.30 Uhr im Cinedom.

° Originaltitel: Plan B

° Produktionsland: Argentinien

° Produktionsjahr: 2009

° Regie: Marco Berger

° Darsteller: Manuel Vignau, Lucas Ferraro, Mercedes Quinteros

° Drehbuch: Marco Berger

° Produktion: Martín Cuinat

° Kamera: Thomas Perez Silva

° Musik: Pedro Irusta

° Schnitt: Marco Berger

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  1. Goldener Löwe ging an Tykwers DREI vorbei « Queerbeet « Unnikath – Kino Queerbeet says:

    [...] doch die Kategorisierung in homo- und heterosexuell ist, wurde uns erst kürzlich in PLAN B von Marco Berger vorgeführt. Hier allerdings sind die Protagonisten schon ein paar Jährchen älter und stecken [...]

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