Skurrile Auftritte des Hauptdarstellers Sacha Baron Cohen sorgten schon vor dem Kinostart von BRÜNO für eine Überlagerung von Fiktion und Wirklichkeit. Wo verläuft die Grenze zwischen Inszenierung und Dokumentation? Die Unklarheit und Spekulation darüber ist das Geheimnisvolle dieses Films, der genau wie sein Vorgänger BORAT Versatzstücke realer Begebenheiten patchworkartig in den Plot einer Komödie einflicht. Auch BRÜNO ist eine Kunstfigur, die Erwartungen über konformes Verhalten in Alltagssituationen bricht und auf diese Weise die entsprechenden Reaktionen des Umfeldes auslösen soll. Sacha Baron Cohen mimt mit Brüno einen homosexuellen österreichischen Modejournalisten. Nach einem Eklat auf einer Fashion-Show wird er gefeuert und geht nach Hollywood, um prominent zu werden. Seine Bemühungen sind vielfältig. Doch weder sein Talent als Showmaster, noch sein politischer Einsatz im Nahen Osten oder ein Skandalauftritt in einer Talkshow bringen ihm den ersehnten Ruhm. Trotz seines Scheiterns gibt er jedoch nicht auf und so verschlägt ihn das Schicksal an den Verhandlungstisch mit einem ehemaligen Mossad-Agenten und einem Palästinenser, ins Schlafzimmer des Republikaners Ron Paul und auf die Couch fanatischer Therapeuten.

Für die Rolle des Brüno werden Stereotypen über Schwule bis zur Überladung ausgebeutet, so dass ein groteskes Zerrbild entsteht. Das Lachen darüber ist selbstreferentieller Natur. Ein Kunstgriff, mit dem Cohen erreicht, dass nicht über Schwule an sich, sondern über die Banalität derartiger Klischees gelacht wird. An einem Wendepunkt der Handlung versucht Brüno in die Heterowelt überzuwechseln, die nicht minder überfrachtet mit Stereotypen ist. Die Doppelbödigkeit des Humors wird damit auf die Spitze getrieben, denn mit Cohen haben wir einen Hetero, der einen Schwulen spielt (Brüno), der einen Hetero spielt (den Wrestler Straight Dave) und durch seine schwule Interaktion mit seinem Ex-Assistenten Lutz (Gustaf Hammarsten) schließlich doch noch die gewünschte Medienaufmerksamkeit erhält.

Rasantes Schnitttempo, Comic-Einlagen, alberne Kostümierungen, übertriebene Attitüden, verwegene Sexpraktiken und ein nervtötendes Ösi-Englisch – BRÜNO ist eine Ode an den schlechten Geschmack. Doch lüftet man die dicke Schicht aus Trash und Kitsch, erkennt man den sozialkritischen Unterton, der die Frage nach Schein und Wirklichkeit im Medienzeitalter absurd erscheinen lässt.

° Originaltitel: Brüno

° Produktionsland: USA

° Jahr der Fertigstellung: 2009

° Regisseur: Larry Charles

° Darsteller: Sacha Baron Cohen, Gustaf Hammarsten, Clifford Bañagale u. a.

° Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines

° Produktion: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Monica Levinson, Dan Mazer

° Kamera: Anthony Hardwick, Wolfgang Held

° Musik: Erran Baron Cohen

° Schnitt: Scott M. Davids, Eric Kissack, James Thomas

° DVD VÖ: 26.11.2009

© Universal Pictures Germany

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