Fünfzehn Jahre hat James Cameron an seiner Vision gearbeitet, eine von ihm erschaffene Fantasiewelt der Zukunft auf nahezu haptische Weise erfahrbar zu machen. Wie könnte es im Jahr 2051 aussehen, wenn auf Klimakonferenzen weiterhin nur geredet und um Kosten gestritten wird, es aber zu keiner Einigung kommt? Wie wird es sein, wenn alle Ressourcen auf der Erde aufgebraucht sind und der Mensch sich ins Universum katapultieren muss, auf der Suche nach einem neuen Lebensraum, den er ausbeuten und zerstören kann? Am Ende ist es eine hoffnungsfrohe und naiv kindliche Botschaft von der Zukunft, die Cameron mit seiner über 200 Millionen Dollar teuren Verfilmung von AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA verkündet. Außerhalb der Reichweite des Menschen, auf dem fernen Planeten Pandora, gedeiht ein üppiger Regenwald mit Lebewesen, die unvermutet archaisch eine innere Verbundenheit zu Pflanzen und Tieren pflegen. Ein blauhäutiges, androgyn anmutendes Naturvolk von athletischer, aber schlanker Statur, das die Gesetze der Schöpfung zu achten und schätzen weiß. In dem Stamm leben Männer und Frauen gleichberechtigt und es scheint keine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zu geben. Beide Geschlechter verstehen den Umgang mit Pfeil und Bogen, wissen mit Reittieren und drachenartigen Flugtieren umzugehen und stürzen sich mutig in den Kampf, wenn es darauf ankommt, ihr eigenes und das Leben anderer zu verteidigen.

Foto: © 20th Century Fox

Foto: © 20th Century Fox

Mit der Reise auf Pandora beginnt für Jake Sully (Sam Worthington) ein neues Leben. Der von der Hüfte abwärts gelähmte Ex-Marinesoldat nimmt an einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) über die Ureinwohner von Pandora, den sogenannten Na’vis teil. Um auf Pandora überleben zu können, wird für Jake ein Avatarkörper aus menschlicher und der Na’vi-DNS gezüchtet, den er mental steuern kann. Physisch bleibt er, in einer Kapsel eingeschlossen, auf der Station. Zu Beginn der Expedition kommt er vom Weg ab und muss sich allein durch den Dschungel schlagen. Er trifft auf die schöne Neytiri (Zoe Saldana), die ihn mit in ihren Stamm nimmt. Jake entfremdet sich zunehmend von seinem menschlichen Körper und dem mit ihm verbundenen Leben auf der Station. Während er sich in die Gemeinschaft einlebt und in Neytiri verliebt, plant Colonel Quaritch (Stephen Lang) mit seiner Armee einen Großangriff auf das friedliche Na’vi-Volk, denn ihr Dorf befindet sich auf dem größten Vorkommen eines genauso kostbaren wie lebensnotwendigen Rohstoffes…

Foto: © 20th Century Fox

Foto: © 20th Century Fox

An einer speziellen dreidimensionalen Aufnahmetechnik, kombiniert mit dem digitalen Motion-Capture-Verfahren und mit eigens für den Film entworfenen Kameras wurde über acht Jahren lang getüftelt. Weniger ausgefeilt ist hingegen die Story – und es gibt nicht einen Kritiker hierzulande, der Cameron dieses Leck in seiner Luxusyacht nicht vorgeworfen hätte. Der Vorwurf ist auch berechtigt – in ihren Grundzügen haben wir die Konstellation Militärmacht gegen eine mit Pfeil und Bogen kämpfende Armee schon tausend Mal auf der Leinwand gesehen. Bei diesem Film jedoch ist nicht die Frage des Was, sondern des Wie angebracht, denn wie niemals zuvor fühlt man sich als Zuschauer wie ein Bestandteil der filmischen Handlung. Das Schauen wird zu einem mit den Figuren geteilten Erlebnis. Ein pantherartiges Raubtier jagt uns quer durch den Dschungel, erwischt uns beinahe. In die Enge getrieben, lassen wir uns im letzten Moment fallen und stürzen an die zwanzig Meter in die Tiefe. Wir möchten diese fallschirmartigen, leuchtenden Pusteblumen, die wie fliegende Lamellen durch die Lüfte schweben, berühren. Trotz des Wissens, dass wir in den Szenen auf Pandora nicht Schauspieler, sondern nur von Menschen bewegte Animationen sehen, kommen starke Emotionen auf. Genau wie Jake wollen auch wir nicht erwachen und in die reale Welt zurückkehren. Während das Licht angeht und wir unsere 3D-Brillen absetzen, sehnen wir uns schon nach Pandora zurück.

Foto: © 20th Century Fox

Foto: © 20th Century Fox

° Originaltitel: Avatar

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2009

° Regie: James Cameron

° Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Michelle Rodriguez

° Drehbuch: James Cameron

° Produktion: James Cameron, Jon Landau

° Kamera: Mauro Fiore

° Musik: James Horner

° Schnitt: John Refoua, Stephen E. Rivkin

Euer Unnikath als Jake

Euer Unnikath als Jake

...und als Neytiri

...und als Neytiri

Hier könnt ihr euch selbst avatarisieren

Print

Related posts:

  1. Der Oscar ging nicht queer
  2. DVD-Verlosung: ICE BLUES
  3. BEAUTIFUL DARLING

One response so far, want to say something?

  1. Antiteilchen says:

    Ich bin noch unschlüssig. Ich mag keine Filme mit Militär. Aber das, was dem Auge an filmtechnisch Neuem geboten werden soll, interessiert mich ja schon ;-)

Einen Kommentar hinterlassen