Paris kann ja so unromantisch, grau und hässlich sein – und das kurz vor Weihnachten! Nicht alle teilen diese Empfindung. Jérôme schon. Sein Ex-Freund Gilles (Jonathan Blanc) ist frisch verliebt und hat gerade wilden Sex mit seiner neuen Flamme als Jérôme in das Appartement platzt. Nichts wie weg aus Paris und auf nach Hollywood, hinein in den ewigen Sommer und zu den kalifornischen Dreamboys, die schon am Strand darauf warten, von unglücklich verliebten französischen Touristen vernascht zu werden. Kaum aus dem Flieger gestiegen, ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Zwar färbt sich die Leinwand von schwarzweiß in knallbunt, doch die verheißungsvollen Erwartungen zerplatzen wie Seifenblasen. Das Hotel entpuppt sich als dreckige Absteige und zum Baden ist es viel zu kalt (mal abgesehen davon, dass es mit dem Bus eine Tagesfahrt ist, um zum Strand zu kommen). Ohne Geld, aber mit viel charmanter Unbeholfenheit, einem entzückenden französischen Akzent und einer Nase wie Adrian Brody schafft Jérôme Beaunez es doch noch, bei den Amerikanern anzukommen, wenn er nur sein Herz nicht in Paris gelassen hätte…

Foto: © Wolfe Releasing

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Jason Bushmans liebenswerter Film, für den er auch das Drehbuch schrieb, ist komisch, tragisch und romantisch zugleich. Mit einer drolligen Naivität stolpert der unbeholfene Held von einem Fettnäpfchen in das nächste und macht beiläufig die Bekanntschaft mit dem patenten Drogendealer Ross (Chad Allen, bekannt aus SHOCK TO THE SYSTEM 2006 und SAVE ME, 2007), der ihm auf dem Höhepunkt eines romantischen Tête-à-tête am Strand eröffnet, dass er HIV positiv ist. Die Begegnung mit der transsexuellen Prostituierten Kaleesha (Diarra Kilpatrick) verschafft Jérôme Unterschlupf bei der schrulligen Bingo Drag Queen Norma Desire (Michael Airington).

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Szenen der Ernüchterung schlagen mit einer beinah unverschämten Leichtigkeit in leicht überspitzt, aber süffisant ironisch erzählte Situationskomik um. Diese Eigenart des Films lässt ein bisschen an François Truffauts Doinel-Reihe denken und es erstaunt, dass Bushman als Amerikaner auf eine sehr typisch französische Art erzählen kann. Wenn Jérôme bei einem Werbespot-Casting überzeugen kann, weil er seine Partnerin am Set gedanklich durch seinen süßen Ex ersetzt oder in ein Badehandtuch gehüllt vor Kälte bibbernd am Strand sitzt, ist es gerade dieses Verspielt-Romantische, sich der amerikanischen Coolness Widersetzende, mit dem der Held uns berührt. Es ist übrigens Jason Bushmans zweiter Film, bei dem Eric Debets die Hauptrolle spielte. 2007 drehte er schon den Kurzfilm SERENE HUNTER mit ihm. HOLLYWOOD, JE T’AIME wird hoffentlich nicht ihre letzte Zusammenarbeit sein, denn es ist wirklich ein wunderschöner Film, der exzellent in das Programm des Festivals und in die Vorweihnachtszeit passte.

Foto: © Wolfe Releasing

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° Originaltitel: Hollywood, je t’aime

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2009

° Regie: Jason Bushman

° Darsteller: Eric Debets, Chad Allen, Jonathan Blanc, Diarra Kilpatrick, Michael Airington
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° Drehbuch: Jason Bushman

° Produktion: Charles Herman-Wurmfeld

° Kamera: Alison Kelly

° Musik: Timo Chen

° Schnitt: Phillip J. Bartell

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  1. Nina-online says:

    was ich suchte, danke

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