Ehrlich gesagt liebe ich Matineen, auch dann, wenn die Nacht auf den Sonntag viel zu kurz war. Vergangenen Sonntag war das anders. Ich hatte nicht die geringste Lust, aufzustehen. Ganze Sturzbäche platschten gegen mein Fenster und um 10 Uhr war es immer noch stockdunkel. Den Wecker also wieder ausgeschaltet und weitergeratzt, kam mein guter Wille, das Frauenfrühstück mit anschließendem Film doch nicht verpassen zu wollen, reichlich spät. Nach meinem Dauersprint zwischen “Blogsberg” und Potsdamer Platz, platzte ich gerade mal kurz vor Filmbeginn ins Kino und auf der Leinwand spiegelte sich genau das wider, was ich gerade erlebt hatte – ein Rennen gegen die Zeit. AND THEN CAME LOLA ist die queere Version von Tom Tykwers LOLA RENNT aus dem Jahr 1998. Um Leben und Tod geht es in Ellen Seidler und Megan Silers Filmcollage allerdings nicht.

Foto: © Wolfe Releasing

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Ein Telefonanruf reißt Lola (Ashleigh Sumner) aus ihren Träumen. Am anderen Ende ertönt die Stimme ihrer Freundin Casey (Jill Bennett). Ein Notfall. Sie braucht dringend ihre Fotos; andernfalls bekommt sie den Auftrag als Designerin nicht. Dies ist die Ausgangssituation – wir kennen es aus LOLA RENNT – für drei Variationen der immer gleichen Geschichte, nämlich der, wie die chaotische, bindungsunfähige und notorisch zu spät kommende Lola diesen Auftrag zu bewältigen versucht. Die beiden Regisseurinnen haben sich einiges einfallen lassen, was Lola so alles widerfährt, auf ihrer Tour de force durch die Straßen San Franciscos. Parallel verfolgen wir die Geschäftsbesprechung Lolas attraktiver Partnerin mit deren rasanten Ex-Freundin, der Italienerin Danielle (Cathy DeBuono). Im Laufe des Wartens geht die Besprechung bei steigendem Alkoholpegel immer mehr zum Flirt über. Diese ruhigen Sequenzen stehen im Kontrast zu dem hohen Tempo, das Lolas Kraftakt erfordert. Viele Schnitte, Schwenks und Fahrten bringen nicht nur die atemlose Heldin, sondern auch die Kamera in Bewegung. Der lineare Erzählfluss wird dabei immer wieder durch Szenen aus Therapiesitzungen, Lolas Gedanken in Fotoserien und Cartoon-Inserts unterbrochen. Neu ist das alles nicht. Vielleicht ist der Originalfilm auch nach über zehn Jahren immer noch zu präsent, um eine Adaption des Stoffes in neuer Gestalt für sinnvoll halten zu können, zumal es ja keine Persiflage in dem Sinne ist. Dennoch hat der Film Spaß gemacht und war garantiert auch für jene leicht verdaulich, die bei dem Frühstücksbüffet ordentlich zugelangt haben.

° Originaltitel: And Then Came Lola

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2009

° Regie: Ellen Seidler, Megan Siler

° Darstellerinnen: Ashleigh Sumner, Jill Bennett, Cathy DeBuono, Jessica Graham, Angelyna Martinez

° Drehbuch: Ellen Seidler, Megan Siler

° Produktion: Ellen Seidler, Megan Siler

° Kamera: Jennifer Derbin

° Musik: Ben Greenwood, Philip Perkins

° Schnitt: Eli Olson

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