Die TEDDY-Gewinner stehen inzwischen fest. Das Voting für den Panorama Publikumspreis ist auch abgeschlossen. In beiden Fällen ging ARIAS WITH A TWIST leer aus.
Wenn aber zwei Fantasten derartiger Klasse in einem Film aufeinandertreffen, dann liegt Magie darin. Eine Magie, die die Kraft hätte besitzen müssen, das Berlinale-Publikum zu verzaubern. Wie die Bühnenshow „Arias With A Twist“ bringt die gleichnamige DokuFantasy den legendären Puppenspieler Basil Twist mit dem Performancekünstler, Kabarettisten und Drag Artist Joey Arias zusammen. „Joey is one of the funniest people of the planet. He’s a cosmic, surrealistic, psychelic glamor clown“, charakterisiert Schauspielerin Ann Magnuson das Ausnahmetalent Joey Arias. Und tatsächlich – die stimmliche Reinkarnation von Billie Holiday brachte den ganzen Saal zum Beben. Plötzlich, während einer „Kashmir“-Interpretation von Led Zeppelin, fällt Arias. Bei ihrem Sturzflug in die Tiefe verwandelt sie sich in eine Puppe, dann ringt sie mit um ihren Hals geschlungenen Tentakeln oder stampft King Kong gleich durch die Skyscraper Manhattans. Ein Feuerwerk der Fantasie!

Foto: © Internationale Filmfestspiele Berlin

Man solle sich von dem Film inspirieren lassen, wandte sich Joey Arias nach Sichtung an das Publikum. Mein Unterbewusstsein muss das registriert haben, denn tatsächlich variierte ich Motive der Story in meinen Träumen. Auf der Bühne verläuft sie ungefähr so: Arias ist umzingelt von phosphoräugigen Wesen – Aliens haben sie gekidnappt. Nach deren eingehender Erforschung wird sie vom Raumschiff geworfen und landet in einem Dschungel. Vor Hunger fast sterbend, greift sie nach einem Pilz. Nach dem Verzehr ist sie auf einem psychedelischen Trip. Sie hat Wahnvorstellungen, sieht sich in der Hölle schmoren, umgeben von gigantischen Teufeln. Dann trifft sie auf ihren miniaturisierten Doppelgänger, der sie davon zu überzeugen sucht, nach New York zurückzukehren…

Foto: © Internationale Filmfestspiele Berlin


Joey Arias und Basil Twist werden zunächst isoliert voneinander porträtiert und dann durch ihre Kunst zusammengeführt. Durch Interviews mit Freunden, Kollegen, Zeitzeugen, Journalisten und Verwandten werden wichtige Stationen im Leben der beiden Künstler nachgezeichnet. Wir reisen mit Basil nach Charleville- Mézières in Frankreich, wo das größte Marionettenfestival der Welt stattfindet, sehen ihm bei der Erschaffung von Monstern für Halloween zu, Joey Arias Vergangenheitserlebnisse erstehen in Archivmaterial und zahlreichen Filmausschnitten von Klaus Nomi, Keith Haring, Andy Warhol, John Sex, David Bowie und Iggy Pop wieder auf.

Auf der Mitte des Films gewinnt das Dokumentarische gegenüber der Fiktion leider die Überhand, so dass das Fantastische, Verspielte, Psychedelische und Obskure immer mehr dem faktengestützten Erzählton weichen muss. Wer sich ganz der Fantasie hingeben will, der kann sich auf den Hochsommer freuen, denn dann wird die Show „Arias With A Twist“ auch in Berlin zu sehen sein.

Bobby Sheehan; Foto: © Internationale Filmfestspiele Berlin

° Originaltitel: Arias With A Twist

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2009

° Regie: Bobby Sheehan

° Darsteller: Joseph Arias, Basil Twist, Cassandra Peterson, Ann Magnuson, Michael Musto, Michael Halsband, Kim Hastreiter, Courtney Harmel

° Produktion: Bobby Sheehan, Sara Feldmann Sheehan

° Kamera: Bobby Sheehan, Russell Swanson

° Musik: Randy Lee

° Schnitt: Robert Whitney

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