ZEROPHILIA

Vögel haben es, die meisten Schlangen, einige Fische und Luke hat es. Die Rede ist vom Z-Chromosom. Sein erster Sex, mit einer wildfremden Frau in deren Campingwagen löst diese, Zerophilie genannte, Chromosomenanomalie bei Luke (Taylor Handley) aus. Hitzewallungen, schwindendes Brusthaar und Genitalschrumpfung sind zunächst die Symptome. Ausgerechnet jetzt, da sein Hormonhaushalt sowieso verrückt spielt, verknallt er sich auch noch in die hübsche Michelle (Rebecca Mozo).

Foto: © cmv-Laservision

Das erste Date mit ihr wird zum Desaster, als Luke wieder einen Anfall hat. Weil er sie im Restaurant einfach sitzen gelassen hat, macht er sich ihren Bruder Max (Kyle Schmid) zum Feind. In seiner Verzweiflung vertraut sich Luke seinem Mitbewohner Keenan (Dustin Seavey) an. Gemeinsam mit ihm, Freundin Janine (Alison Folland) und einer auf Zerophilie spezialisierten Ärztin (Gina Bellman) versuchen sie, das Problem in den Griff zu bekommen. Es gibt nur einen einzigen Weg für einen Zerophilen, seine Geschlechtsidentität zu stabilisieren: er oder sie muss Sex mit einem/einer anderen Zero haben. Um für Michelle ein richtiger Kerl zu bleiben, ist Luke bereit, diesen Weg zu gehen, bis er langsam Gefallen daran findet, sich in Luca zu verwandeln und dem coolen Max den Kopf zu verdrehen…

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Durch Einfallsreichtum und Detailverliebtheit überrascht die Plotentwicklung von ZEROPHILIA mit einigen ungeahnten Wendungen. Mit einem Horrorfilm, wie auf dem Covertext der DVD angekündigt, hat diese aparte Coming-of-Age-Komödie, mit der Martin Curland sein Spielfilmdebüt gibt, allerdings nicht im Entferntesten etwas zu tun. Möglicherweise kam diese Fehleinschätzung aufgrund der häufig in Sci-Fi-Filmen verwendeten Morphing-Technik, durch die der Übergang in das Gegengeschlecht visualisiert wird, zustande. Marieh Delfinos Luca ist aufgrund der verblüffenden Ähnlichkeit das perfekte weibliche Pendant zu Taylor Handleys Luke.

Die Angst vor einem temporären Kontrollverlust über den eigenen Körper an der Schwelle zum Erwachsenwerden wird bis ins äußerste Extrem (dem Verlust der Männlichkeit) parodiert und kippt dann ganz plötzlich in die Lust an der Verwandlung um. Die durch die brüchige Geschlechtsidentität herbeigeführten Irritationen stiften dann auch Verwirrung in Bezug auf die sexuelle Orientierung. Diese wandelt sich nämlich zum Erstaunen aller mit dem Geschlechtswechsel. Lukes/Lucas sexuelles Begehren ist stets auf das jeweilige Gegengeschlecht ausgerichtet; er/sie bleibt demnach konstant heterosexuell. Das ist bei homosexuellen Zeros nicht anders, so dass die schwule Identität eines Gleichgesinnten für Luca schließlich zum Verhängnis wird.

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Ihren Witz bezieht die unbeschwerte Verwechslungskomödie aus dem unpassenden Gebrauch kulturell als maskulin bzw. feminin geprägter Verhaltensmuster, denn Geschlechtsidentität und Darstellung bleiben nach der Transformation konstant. So fühlt Luke sich weiterhin seinem Ausgangsgeschlecht zugehörig, dementsprechend bleiben Körpersprache, Mimik und Gestik ungeachtet der weiblichen Physis und Kleidung die eines Mannes.

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Luca sitzt – ob im Kleid oder in Skaterhosen – breitbeinig, die Füße auf den Tisch gelegt und geht wie vormals im Streit auch beim Flirten ziemlich aggressiv mit Max um. Allerdings sehen wir sie nicht mehr beim Hockeyspielen und das Führen des Monster-Trucks, den sich Luke zwecks Kompensation seiner schwindenden Männlichkeit zulegte, hat sie wohl auch verlernt; da muss schon der beste Kumpel ans Steuer rücken. Ein bisschen mehr Mut für das Aufbrechen von Geschlechterstereotypen hätte Curland bei diesem Thema wirklich beweisen können, doch zugunsten des etwas zu brav angelegten Konzepts lässt er subversive Elemente nicht aufkommen. Nichtsdestotrotz ist aus dem fantasievollen Stoff ein sehr amüsanter und durchaus kurzweiliger Unterhaltungsfilm geworden, der den Traum vom Gender-Switching in beschwingter Leichtigkeit zelebriert.

ZEROPHILIA – Heute Er, morgen Sie ist im Programm von cmv-Laservision

Cover: © cmv-Laservision

° Originaltitel: Zerophilia

° Deutscher Titel: Zerophilia – Heute Er, morgen Sie

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2005

° Regie: Martin Curland

° Spiel: Taylor Handley, Marieh Delfino, Rebecca Mozo, Kyle Schmid, Dustin Seavey, Alison Folland, Gina Bellman, Rick Stear

° Drehbuch: Martin Curland

° Produktion: Jay Whitney Brown, Martin Curland, Alan Grossbard, Gregory J. Lanesey, Matt Radecki

° Kamera: Graham Futerfas

° Musik: Kevin McDaniels

° Schnitt: John Randle

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