WENN WRECKED ein Faustschlag ins Gesicht war, dann ist der Folgefilm REDWOODS wie eine sanfte Berührung mit den Fingerspitzen. Nach einer Serie idyllischer Landschaftsaufnahmen im gleißenden Licht betreten wir die gepflegte Wohnung, in der Everett (Brendan Bradley) mit seinem Lebensgefährten Miles (Tad Coughenour) und Ziehsohn Billy (Caleb Dorfman) lebt. Die Koffer sind schon gepackt; für Billy und Miles geht es auf die Reise, während Everett in den Redwoods bleibt. Während der Junge auf die Knie fällt und Everetts Beine umklammert, gibt es von dem unterkühlten Miles nicht mal eine Umarmung zum Abschied. Eine schicksalhafte Begegnung mit dem Schriftsteller Chase (Matthew Montgomery, übrigens einer der Produzenten von MAKE THE YULETIDE GAY von Rob Williams, der ebenfalls auf dem Verzaubert Film Weekend lief) bringt Everett das zurück, was innerhalb der achtjährigen Beziehung mit Miles durch Routine verdrängt wurde: L e i d e n s c h a f t…

Foto: © PRO-FUN MEDIA

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Die Kamera tastet sich langsam und sehr behutsam an die Protagonisten heran, als wolle sie unbemerkt bleiben, um nicht den verträumten Zauber ihrer gemächlichen Annäherung durch Blicke und Berührungen zu stören. Das sehr auf die Mimik und wenig auf Handlungen konzentrierte Spiel verlangt den beiden Hauptdarstellern eine große Beherrschung ihrer Affekte ab, denn die Kamera, die meist auf Tuchfühlung mit ihnen geht, bleibt sehr still und unscheinbar, beobachtet das Geschehen jedoch umso genauer. Auch der Zuschauer ist darin gefordert, dies aufmerksam zu verfolgen und es nicht meinem Sitznachbarn gleichzutun, der bereits nach einer gefühlten Viertelstunde laut schnarchte und erst bei der Sexszene wieder aufwachte. Für jene aber, die wach bleiben, wird es spürbar, wie die beiden Männer ihre Gefühle füreinander verdrängen, wie die Sehnsucht nacheinander immer stärker wird und sich die aufgestauten Emotionen in einer leidenschaftlichen Liebesnacht entladen. Die Kamera gleitet zärtlich über die nackte Haut, viel Körper zeigend, ohne jemals obszön zu sein. Sparsam eingesetzte, weiche Schnitte schaffen einen fließenden Übergang zwischen den einzelnen Szenen. Interessant ist auch, wie der Film mit Zeit umgeht. Über lange Strecken korrespondieren Filmzeit und gefilmte Zeit, dann aber gibt es einen großen Zeitsprung von fünf Jahren. Zurückblickend kann resümiert werden, dass REDWOODS ein sehr stiller Film voller Melancholie ist, den man am besten zu zweit aneinander gekuschelt in den hintersten Reihen des Kinos genießt und dessen Story man auch nach einem langen Kuss immer noch gut nachvollziehen kann.

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° Originaltitel: Redwoods

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2009

° Regie: David Lewis

° Darsteller: Brendan Bradley, Matthew Montgomery, Tad Coughenour, Caleb Dorfman

° Drehbuch: David Lewis

° Produktion: Bill Gollihur

° Kamera: Joe E. Rivera

° Musik: Jack Curtis Dubowsky

° Schnitt: Mathias Hilger

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  1. ROCK HAVEN « Dvd « Unnikath – Kino Queerbeet says:

    [...] spezifischen Vorliebe, eine der Hauptrollen an die Natur zu vergeben. Auch in seinem jüngsten Film REDWOODS unterbrachen lange Einstellungen von Landschaftsaufnahmen immer wieder die filmische Handlung. Die [...]

  2. PORNOGRAPHY: EIN THRILLER « Kino « Unnikath – Kino Queerbeet says:

    [...] Apartment, in dem besagtes Interview stattfand, von dem Journalist und Buchautor Michael Castigan (Matthew Montgomery) und dessen Lebensgefährten bezogen. Im Wandschrank findet Castigan ein Video-Tape, auf dem Mark [...]

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