TRUE LOVE

Manche suchen ihr ganzes Leben nach ihr, andere wiederum werden ihr nie begegnen. Hat man sie dann endlich gefunden, möchte man an ihr festhalten. Jede/r hat eine andere Vorstellung von ihr, ohne zu wissen, ob sie es tatsächlich gibt. Die wahre Liebe, sie ist das Leitthema für den Episodenfilm, den Michael J. Saul in den Kontext kultureller Identität gestellt hat. Schwul sein, Amerikaner sein – zwei Merkmale, die in ihrer Verbindung wiederum ein Ich- oder Wir-Gefühl auslösen.

Foto: © PRO-FUN MEDIA

Die sieben abgeschlossenen und voneinander unabhängigen Kurzfilme erzählen von sexueller Initiation, Begehren, Beziehungen und deren Aufarbeitung. Eine schöne Bescherung erleben wir in CHRISTMAS STORY. Das vom Vater gedrehte Home-Video von 1969 offenbart, wie der Junge noch unterm Weihnachtsbaum Basketball und Cowboypistole gegen Lippenstift und Spitzenkleidchen der Schwester eintauscht.

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Das Freundschaftsbändchen ist in GOING GAY einer hohen Belastungsprobe ausgesetzt. Vom Vater im Bett erwischt und zur Rede gestellt, beginnt für den einen der beiden ein Herumirren durch die Nacht. Am Ziel angekommen, ist er sich seiner Gefühle nicht mehr sicher. Diese kritische Phase des Erwachsenwerdens hat das Paar in SUNDAY schon lange hinter sich. Ein gemeinsames Abendessen mit dem Onkel klingt in HISTORY mit einer schwer verdaulichen Vergangenheitsbewältigung aus. In HE WAS PERFECT erkennt Lonnie zu spät, dass sein Schwarm nur äußerlich schön ist. „Warum sind wir eigentlich noch zusammen?“ Der eigene Geburtstag ist vielleicht nicht unbedingt der beste Zeitpunkt, um seine Beziehung aufzuarbeiten. STAYING TOGETHER beweist, dass es nicht aufs Timing, sondern auf den richtigen Partner ankommt. Das ist schon A LITTLE DRAMA, wenn der Romeo dem Beleuchter so sehr den Kopf verdreht hat, dass die Liebesgeschichte im Dunkeln spielen muss. Aber ungetane Arbeit kann auch mit einem Kuss belohnt werden.

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So unterschiedlich die einzelnen Geschichten auch sind, hat man sich in nur wenigen Sekunden auf eine neue eingelassen. Die Kurzfilme harmonieren nicht nur miteinander, sie sind auch dramaturgisch abgeschlossen, enden also nicht, bevor es zu einer Auflösung des Konflikts kommen konnte. Ob spannungsgeladene Dialoge, verheißungsvolle Blicke oder energische Gesten – TRUE LOVE ist ein eindrucksvoller Episodenfilm mit Tiefgang, der erkaltete Frühlingsgefühle wiedererweckt.

Cover: © PRO-FUN MEDIA

° Originaltitel: True Love

° Produktionsland: USA

° Produktionsjahr: 2004

° Regie: Michael J. Saul

° Darsteller: Rachel Leah Cohen, Mark Weathers, Michael Bierman, Heath Daniels, Sewell Whitney, Ryan Thomas u. a.

° Drehbuch: Michael J. Saul

° Produktion: Bryan Nelson

° Kamera: David Au, Robert D. McBride

° Musik: Steven M. Miller

° Schnitt: Michael J. Saul

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