MULLIGANS

Es ist besser als beim Pizzaservice. Der für einen Familienvater noch recht junge Nathan (Dan Payne) bekommt den Leckerbissen ins Haus geliefert, ohne ihn bestellt zu haben. Sein Sohn Tyler (Derek James) hat seinen besten College-Freund, den smarten Chase (DANTE’S COVE Serienstar Charlie David) eingeladen, die Sommermonate mit ihm und seiner Familie zu verbringen. Golfen, wilde Partys, ein bisschen Gartenarbeit und Mädchen stehen für Tyler auf dem Tagesplan. An letzterem ist Chase allerdings nicht im geringsten interessiert. Nachdem er sich Tyler gegenüber geoutet hat und das Wissen um seine Homosexualität wie ein Lauffeuer durch die Familie geht, verändert sich Nathan. Wie aus einem Dämmerschlaf scheint er plötzlich erwacht zu sein und Gefühle, die er in der Ehe mit Stacey (Thea Gill) erfolgreich verdrängt zu haben glaubte, flammen wieder auf…

© Edition Salzgeber

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In warmes Braun getauchtes Licht, klare Bergseen, bis zum Horizont reichende Wiesen – Chip Hale hat den Kontrast zwischen der malerischen Kulisse und den erodierten Gefühlslandschaften seiner Figuren gut herausgearbeitet.

Am beschwingten Anfang des zunehmend ruhiger werdenden Films stehen Chase und das Verhältnis zu seinem heterosexuellen Freund Tyler im Zentrum der Handlung. (Wie im Film, so auch im richtigen Leben, denn auch dort sind Charlie David und Derek James dicke Freunde). Nach dem Coming Out von Chase sollte eigentlich alles beim Alten bleiben; tatsächlich ändert sich aber alles. Tyler geht nicht nur wenig feinfühlig oder vertraulich mit dem Geständnis des Freundes um, er scheut seitdem auch die körperliche Nähe zu ihm. Der introvertierte Chase beginnt, sich von ihm zu distanzieren und verbringt fortan mehr Zeit mit Nathan. Im Verlauf des Films verlagert sich somit der dramaturgische Aufmerksamkeitsschwerpunkt von Chase auf Nathan, auf dessen verspätetes Coming Out und die Reaktionen der Familienmitglieder. Die Ereignisse spitzen sich gegen Ende des Films dramatisch zu. Leider jedoch ist gerade diese Passage des Films recht plump umgesetzt. Gleich zwei Mal hintereinander lässt sich Nathan dabei erwischen, wie er Chase küsst. Aufgrund der Dopplung wirkt diese Sequenz sehr künstlich und gestellt. Abgesehen von Thea Gill vermögen es die Schauspieler kaum, Emotionen glaubhaft herüberzubringen. Die doch sehr zaghaften Kussszenen zwischen Charlie David und Dan Payne strahlen in etwa soviel Leidenschaft aus wie der Widerbelebungsversuch an einer Wasserleiche. Dabei hat Nathan 25 Jahre auf diesen Moment gewartet und – was viel entscheidender ist – er küsst immerhin Charlie David, dessen laszive Sinnlichkeit jede seiner Gesten und Bewegungen bestimmt. Als Zuschauer möchte man in diesen Momenten die Regieklappe an sich reißen und „Stopp!“ rufen, sich Charlie David zur Brust nehmen, um Dan Payne vorzuführen, wie so ein Kuss auch aussehen könnte.

Trotz dem etwas plumpen Plot und einer zwar seichten Story, die gegen Ende leider etwas zu sehr ins Sentimental-Pädagogische abgleitet, ist die Botschaft des Umgangs mit einem späten Coming Outs auf eine Art und Weise problematisiert, dass sie bei den Zuschauern und Zuschauerinnen ankommt. Die Story wartet mit einem überraschenden Ende auf und für den ästhetischen Genuss beim Schauen und Schmachten ist ohnehin bestens gesorgt.

° Originaltitel: MULLIGANS

° MULLIGANS – JEDER VERDIENT EINE ZWEITE CHANCE

° Produktionsland: Kanada

° Produktionsjahr: 2008

° Regie: Chip Hale

° Darsteller: Charlie David, Dan Payne, Thea Gill, Derek James, Grace Vukovic

° Drehbuch: Charlie David

° Produktion: Linda Carter

° Kamera: Alice Brooks

° Musik: Robert Buckley

° Schnitt: Peter Liptak

° DVD VÖ: 27.10.2009

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