FIXING FRANK

„In Treatment” war gestern, jetzt kommt FIXING FRANK. Lasst euch in den Bann dieses hypnotischen Films ziehen und lest meine Kritik, die ich für DU&ICH geschrieben habe.
(Erschienen am 10.Mai 2010 auf http://www.du-und-ich.net/film-dvd/)

Im Bann des Bösen: Fixing Frank

„Wenn es eine Wunderpille gäbe, die dich straight macht, würdest du sie nehmen?“ „Für so eine Pille würde ich töten“, behauptet Frank (Andrew Elvis Miller) in seiner ersten Sitzung bei Dr. Apsey (Dan Butler), einem Therapeuten, der die sogenannte „Konversions- oder auch Reparationstherapie anwendet, um schwule Männer umzupolen. Frank ist in Wirklichkeit Journalist und will gar nicht „geheilt“ werden. Sein Partner Jonathan Baldwin (Paul Provenza), ebenfalls Psychotherapeut, hat ihn zu Apsey geschickt. Er soll dessen repressive Behandlungsmethoden verdeckt ausspionieren und ein Exposé darüber schreiben, damit Baldwin Anzeige erstatten kann. Unerwartet gerät der Plan aus den Fugen und wird für alle drei Beteiligten eine gefährliche Gratwanderung…

Regisseur, Produzent und Autor Michael Selditch gibt mit dem Drama „Fixing Frank“, das auf einem Bühnenstück von Ken Hanes basiert, sein Spielfilmdebüt. Zuvor hatte sich der studierte Architekt filmisch mehrfach mit Mode und Stil auseinandergesetzt. So auch in den Doku-TV-Serien „Architecture School“ und „Queer Eye for the Straight Guy“ oder dem Dokumentarfilm „Eleven Minutes“ (2008), ein Porträt über den Modedesigner Jay McCarroll (dem ersten Gewinner der US-amerikanischen Castingshow „Project Runway“).

Wie für ein Theaterstück typisch, kämpft man hier mit Worten, nicht mit Waffen. Die Dialoge aber werden so messerscharf geführt, als lieferten sich Therapeut und Patient ein Duell. Dan Butler (zuletzt gesehen als Reverend Whitsell in „Prayers for Bobby“ und davor als Sport-Moderator und Schürzenjäger Bob ‘Bulldog’ Briscoe in der US-amerikanischen Sitcom „Frasier“) brilliert in seiner Rolle als scharfsinniger Rhetoriker und Stratege. Frank hingegen verheddert sich in seinen Lügen, verliert immer mehr die Selbstkontrolle und wird zum Spielball. Selditch übersetzt seine Verwirrung, Zerrissenheit und Selbstentfremdung in eine rasant sprunghafte und assoziative Montagetechnik. Die Kamera kommt den Gesichtern der Figuren derart nah, dass man glaubt, sie wolle wie Apseys manipulative Rhetorik in die Köpfe der Schauspieler hineinkriechen.

Wer sich allwöchentlich für „In Treatment“ auf die Couch begibt und die seichte Plauderstunde bei Dr. Paul Weston mit Interesse verfolgt, der wird sich nur noch gelangweilt zurücklehnen, wenn er „Fixing Frank“ gesehen hat, denn dieser Film hat eine bannende, geradezu hypnotische Wirkung. Er zieht tief in das Geschehen hinein, so dass man sich wie in einem tranceartigen Zustand befindet.

Inzwischen ist der Enthüllungsartikel über Manipulationsstrategien der Konversionstherapie tatsächlich geschrieben worden. Der englische Journalist Patrick Strudwick hat sich ein Jahr undercover in Behandlung begeben und seine ” Ex-Gay Files: The Bizarre World of Gay-to-Straight Conversion” im Februar in der britischen Tageszeitung „The Independent“ veröffentlicht. Nach der überwältigenden Resonanz hat er die „Stop Conversion Therapy Taskforce“ (SCOTT) gegründet, der auf Facebook inzwischen über 3900 Menschen beigetreten sind.

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